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homo animal rationis particeps

Giovanni Pico della Mirandola (* 1463, + 1494, hat er nur knapp das magische Alter von 27 Jahren übertroffen) verfasste eine elegische „Ad amicum excusatio quod atmet“, deren erste Verse lauten:

Quid me nequitiae damnas ? quid dicis inertem
quem premat imposito pulchra puella iugo ?
quid virides annos studiis melioribus aptos,
quid frangi ingenium dicis, amice, meum ?
quod nec grande aliquid nec fortia bella capessam
enerventque animos carmen et umbra meos ?
uror amans, fateor, sunt haec mea proelia, flammas
nec volo nec possum dissimulare meas.

Quelle: http://www.thelatinlibrary.com/mirandola/mir2.shtml

Heute übersetzten wir diesen Auszug ungefähr so in das Deutsche:

Wieso wirfst du mir Nutzlosigkeit vor? Wieso nennst du mich „träge“,
während mir doch ein schönes Mädchen ihr Joch aufgelegt hat und mich damit unterdrückt?
Wieso sagst du, mein Freund, dass die Jahre meiner Jugend, zu wertvolleren Studien geeignet, und dass mein Talent verkümmere?
Weil ich weder etwas Prächtiges noch Heldentaten im Kriege aufgreife
und weil das Dichten an lauschigen Plätzchen mich zu einem Schwächling machen?

Ich brenne vor Liebe - ich geb’s ja zu - und das sind die Schlachten, die ich schlage, und die Flammen, die in mir züngeln, will ich nicht und kann ich nicht verbergen.